Bis zur planmäßigen Kolonisation und Kultivierung im 19. Jahrhundert zählte das Bourtanger Moor zu den größten zusammenhängenden Mooren Nordeuropas. Seit dem 01.06.2006 ist ein Teil dieses Gebietes der jüngste Naturpark Niedersachsens. Dank vieler natürlicher kulturhistorischer Verbindungen zu den benachbarten Niederlanden wurde hier der
Internationale Naturpark Bourtanger Moor – Bargerveen grenzübergreifend geschaffen. Er liegt im Dreieck zwischen den Landkreisen Emsland, Grafschaft Bentheim und der niederländischen Provinz Drenthe. Der Naturpark umfasst 140 Quadratkilometer, davon ca. 54 % in Twist.
Der Naturpark stellt sich als eine weite, offene Landschaft, geprägt von Mooren und Heideflächen, kultiviert durch Landwirtschaft und Torfabbau dar. Innerhalb dieser Flächen befinden sich renaturierte Bereiche. Geprägt ist die Landschaft weiter von zahlreichen Kanälen und der Grenze zu den Niederlanden.
Die Bedeutung des empfindlichen Naturlebensraums für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt wurde erst erkannt, als die meisten Moore schon kultiviert waren. Deshalb wird viel zum Erhalt der letzten natürlichen Moorgebiete getan und kultivierte Flächen wieder renaturiert, wie der Fachbegriff heißt. Der Torfabbau in naturnahen Hochmooren ist gestoppt, in trocken gelegten Mooren werden Entwässerungsgräben geschlossen, damit der Wasserspiegel langsam steigt und die typischen Pflanzen und Tiere des Hochmoores wieder heimisch werden.
Ein sehr erfolgreiches Beispiel für die Renaturierung ist das
Naturreservat Bargerveen in den Niederlanden. Seit 30 Jahren wird in dem Gebiet direkt an der Grenze erfolgreich eine natürliche Moorlandschaft zu neuem Leben erweckt: 17 km Wanderwege führen durch die Schönheit des Moores. Hier entdecken sie Schnabelried und Pfeifengras, Glockenheide, Wollgras, Sonnentau und Torfmoose. Die ausgedehnten Wasserflächen und Uferbereiche sind Rast- und Brutplätze für Vogelarten wie Neuntöter, Blaukelchen oder den Goldregenpfeifer – das Moor beheimatet einige Raritäten der Natur.
In dem ersten grenzüberschreitenden Naturpark Niedersachsens sind fast 4.000 ha Torfabbaufläche dafür bestimmt, anschließend dem Naturschutz zu dienen. In den kommenden Jahren entwickelt sich hier eine lebendige Moorlandschaft, attraktiv für erholungssuchende Urlauber und Naturliebhaber gleichermaßen.